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Kleiner Leitfaden für die
praktische Shiatsu-Arbeit (für TherapeutInnen und PatientInnen)
 Einführung:
Dieser Text ist gleichermaßen
gedacht als Anleitung für Shiatsutherapeuten, ihre Arbeit mit den
Patienten, zu deren und zum eigenen Wohl, so effektiv wie möglich zu
gestalten, sowie als Aufklärung für, an Shiatsubehandlung interessierten
Patienten.
Shiatsu ist, um es vorerst ganz
einfach auszdrücken, eine Massageform. Demnach handelt es sich um eine
Form der Körpertherapie. Im Gegensatz aber zur sog. klassischen
Massagetechnik besteht die wesentliche Technik nicht aus Kneten oder
Reiben sondern Dehnen und Drücken, wobei nicht mit Körperkraft im
eigentlichen Sinne gearbeitet wird sondern mit dem Instrument des
"Sich-Sinken-Lassens". Kraft wird nicht angewendet sondern abgegeben,
durch Abgabe des eigenen Körpergewichtes. Wie der Name schon vermuten
läßt stammt sie aus dem japanisch-chinesischen Kulturraum.
Es heißt sie sei vor etwa 100 Jahren dort entstanden. Ihre Wurzeln aber,
reichen viel weiter in die Vergangenheit. Die Idee des Shiatsu, die
dahinterliegende Philosophie, hat ihre Ursprünge in der chinesischen
Weltanschauung, in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), im
Denken über den Ausgleich polarer Kräfte die das Leben bestimmen. In den
Lehren des Taoismus.
Diese beiden Kräfte werden als Yin und Yang bezeichnet und bilden ein
sogenanntes Gegensatzpaar. Nach der Lehre des Taoismus kann alles
Weltgeschehen, alles Leben auf Gegensätze und deren Kräfte-Wechselspiel
"reduziert&qout; werden. Andere Gegensatzpaare sind z.B.: hell -dunkel,
warm - kalt, männlich - weiblich, Sommer - Winter, mild - rauh/heftig,
etc..
Jede Seite (Kraft) trägt immer auch den Keim zum Wandel in ihr Gegenteil
in sich. Jedoch kann dieser Wandel, dieser übergang, dieses Hin-und-Her
ins Stocken geraten oder auch zu schnell geschehen. Auf der körperlichen
Ebene entsräche dies den beiden Zuständen von Verstopfung und Durchfall.
In das Wechselspiel dieser Kräfte (im Makrokosmos) ist der Mensch als
Mikrokosmos eingebunden und wird von diesem beeinflußt.
Die fernöstliche Medizin ist eine Beobachtungsmedizin. Das meint, daß
die alten Gelehrten die Natur und das Geschehen um sie herum beobachtet
haben und daraus (ebenfalls aus reiner Beobachtung heraus) Zusammenhänge
und Wirkungen auf die Menschen hergestellt haben. Sie haben also ein
ständiges "Wenn-Dann" abgeleitet.
Erst später folgte die Entwicklung und Aufstellung von Regeln und
Verhaltensnormen nach dem Motto: "So sollte es sein" oder, "So sollte
der Mensch sich verhalten". Diese Lebensanleitungen dienten immer dem
Zweck, den Menschen in Einklang mit der Natur, mit dem übergeordneten
Geschehen, zu bringen damit er/sie nicht krank würde. Krankheit wurde
also als ein Abweichen des Mikrokosmos (des Individuums) vom Ablauf im
Makrokosmos gesehen.
Dabei ist wichtig zu bemerken, daß immer "nur" das Erkennen des "Wie"
und nicht so sehr das Ergründen des "Warum" (bis ins letzte Detail) im
Vordergrund stand.
Es wurde angenommen, daß es eine Kraft gäbe (die nicht näher erforscht
wurde, oder erforscht werden konnte) die das "Leben" erschafft und
erhält. Diese Kraft, auf der Ebene des einzelnen Menschen, nannten (bzw.
nennen) die Chinesen "Chi", die Japaner, ähnlich, "Ki". Und um diese
Kraft, um diesen Kraftstrom, geht es, sowohl bei der TCM als auch beim
Shiatsu.
Die fernöstliche Medizin war darauf ausgerichtet, diesen Kraftstrom zu
lenken, bei Bedarf umzulenken, um im Gesamtsystem Mensch wieder einen
gleichmäßigen Fluß der Lebenskraft zu erreichen.
Es existiert eine Geschichte, wonach dieses Flußsystem im Menschen, die
übertragene Beobachtung eines wirklichen, landschaftlichen Fluß- und
Kanalsystems in China sei.
Demnach habe die "Lebenskraft" des Menschen ebenso einen Ursprung, eine
Quelle, und fließe in Kanälen, Bahnen, genauer gesagt in den sogenannten
"Meridianen". Auch hier gibt es Stromschnellen, Stauungen, Dammbrüche,
überflutungen ja sogar stehende Gewässer und tote Flußläufe.
Der Ausspruch: "Das Leben ist ein Fluß" hat hier seinen Ursprung.
Wir nennen diese Steuerungsarbeit heute Harmonisierung, oder "In-den-Fluß"
bringen.
(Nebenbei bemerkt tauchen diese Vorstellungen von Lebenskraft
auch/wieder im Sanskrit, bei Paracelsus, bei Hahnemann, bei W. Reich
u.a. auf.) Wie wird diese Beeinflussung des Kraftflußes nun im bzw. mit
Shiatsu erreicht?
Da es eine Massageart (art=Kunst) ist, eben durch Berührung. Durch
Berührung auf und entlang der Meridiane, durch Berührung besonderer
Punkte (Tsubos genannt; in der Akupunktur die "Akupunkturpunkte"). Diese
Punkte werden auf eine spezifische Weise gedrückt, wobei man/frau das
Wort "Drücken" nicht so wörtlich auslegen darf.
Wie oben erwähnt, wird dabei Körpergewicht abgegeben; nicht etwa
gepresst. Der Behandler beugt sich (je nach Position) über den Patienten
und gibt langsam (behutsam!) seine Gewicht an den Behandelten ab.>BR>
Zum Shiatsu bedarf es einer ganz bestimmten Geisteshaltung welche der
der Meditation sehr ähnlich ist und welche ebenfalls wieder der
chin.-jap. Philosophie entspringt.
Beim Shiatsu wird "aus dem Bauch heraus" gearbeitet, aus dem "Hara". Das
hört sich einfach an, ist aber bei weitem das schwierigste Problem oder
Phänomen des Shiatsu.
Wenn ich genau beschreiben könnte was das bedeutet würde ich es tun. Ich
habe bisher keine Stelle in der Literatur gefunden wo dieses Phänomen
wirklich exakt in Worte gefaßt werden konnte. Am ehesten, am
treffendsden erscheint mir folgende Beschreibung: "Aus dem Hara, aus
seiner Mitte heraus arbeiten und wirken bedeutet, in einem inneren
Zustand zu sein wo nicht ICH etwas tue und bewirke sondern ES. Also ein
Tun in nahezu völliger Verbundenheit mit der Umwelt (dem Patienten). Ein
Handeln in Absichtslosigkeit" Aus dem Bauch heraus arbeiten meint, aus
dem Zentrum arbeiten. Nur so wird Shiatsu nicht zur Anstrengung für
den/die BehandlerIn. Nur wenn der Shiatsugebende leicht und frei aus
seiner Mitte heraus arbeitet kann der/die Behandelte sich entspannen,
gehen lassen, geschehen lassen und öffnen. öffnen meint, aus
seiner/ihrer Verkrampfung heraus kommen. Diese Art der Arbeit, wobei ein
ständiges Wechselspiel zwischen "bei sich sein" und "bei dem Behandelten
sein" stattfindet, ist das bei weitem wichtigste Moment des Shiatsu.
Ständig bei sich sein würde bedeuten, den Patienten nicht mehr
wahrnehmen. Ständig beim Patienten sein würde bedeuten, aus dem
überwiegenden Interesse heraus dem Patienten nur Gutes zu tun, sich
selbst zu überanstrengen, und womöglich zu verkrampfen ohne es (oder zu
spät) zu bemerken. Während im ersteren Falle die Gefahr besteht dem
Patienten unnötige Schmerzen zuzufügen besteht im zweiten Falle die
Gefahr darin, erstens Symptome des Patienten zu übernehmen und zweitens
zuviel zu tun und zu geben wenn eher weniger angebracht wäre. (Shiatsu
kann schmerzhaft sein, und die Schmerzen, deren Art und Ort, machen eine
Aussage über den Zustand des Patienten, muß es aber nicht sein!)
Es versteht sich von selbst, daß das Erlernen von Shiatsu ein, über
Jahre dauernder Prozeß ist. Die Meridianverläufe und wichtigen
Druckpunkte sowie deren Indikationen sind relativ schnell zu erfassen
und zu behalten. Der eigentliche Kern des Shiatsu aber, das Fühlen, das
Spüren, um daraus die für den Patienten adäquate Behandlung zu kreieren
dauert wesentlich länger.
Da ich hier lediglich eine Einführung ins Shiatsu
schreiben möchte, einen kleinen Leitfaden für Patienten und Therapeuten,
und kein Lehrbuch, gehe ich an dieser Stelle nicht auf Details wie Lage
der Tsubos, exakte Meridianverläufe, Indikationen etc. näher ein. Hierzu
gibt es genügend Literatur. (siehe Liste am Ende des Artikels)
Die Behandlung:
1. Der Raum
Der Raum in welchem Shiatsu
ausgeübt wird sollte nach Möglickeit gut temperiert sein und frisch
belüftet. Abgesehen davon, daß das Temperaturempfinden von Mensch zu
Mensch unterschiedlich ist, ist eine Temperatur von 20-22 Grad Celsius
in den meisten Fällen am geeignetsten. Ist die Raumtemperatur zu
niedrig, ist es für den Patienten schwierig zu entspannen. Ist sie zu
hoch kann leicht ein Ermüdungseffekt eintreten, vor allem dann, wenn in
der Behandlung sedierende (entspannende, beruhigende) Techniken
angewandt werden. Shiatsu wird auf dem Boden, auf Matten oder Futons
gegeben. Daraus folgt, daß auch der Boden nicht kalt sein darf... Die
Optimale Größe des Raumes beginnt bei ca. 4 mal 4 Metern. Ab dieser
Größe und vorausgesetzt der Raum ist nicht mit Mobiliar vollgestellt,
ist es für den Behandler möglich sich frei zu bewegen, ohne darauf
achten zu müssen z.B. mit dem Rücken irgendwo anzustoßen. Jedesmal wenn
der/die BehandlerIn auf solche Dinge achten muß wird er/sie aus
seiner/ihrer Mitte, seiner Konzentration auf den Patienten, genommen.
Die Fläche auf der Shiatsu gegeben wird sollte mindestens 2,30 mal 2,30
Meter betragen, so daß beide Shiatsupartner (und das sind Behandler und
Behandelter in einer Shiastusitzung tatsächlich!) darauf Platz haben.
Die Fläche sollte auch nicht zu hart oder zu weich sein. Tatamimatten
sind zwar als unterste Unterlage wegen ihrer günstigen klimatischen
Eigenschaften sehr gut zu verwenden, als direkte Unterlage aber schon
wieder zu hart. Ein Futon, 3-lagig bis 4-lagig ist ideal.
Darüber hinaus ist es ratsam ein großes, sauberes Laken, 1 bis 2 Decken
und ein paar Kopfrollen bzw. Knierollen bereit zu halten um den
Behandelten bequem legen zu können. Für viele Patienten ist das Liegen
ohne Kopfunterlage sehr ungewohnt und sie verspüren dann Spannung im
Halswirbelsäulenbereich. Eine Knierolle bewirkt, daß die Bauchmuskulatur
sich besser entspannen kann, was wiederum bei der Bauchbehandlung (Harabehandlung)
und vor allem bei der Haradiagnose sehr wichtig ist. Der Raum sollte
auch nicht zu hell sein, aber aich nicht zu dunkel. Wie überhaupt in der
fernöstlichen Denk- und Lebensweise gilt es auch hier das bestmögliche
Mittelmaß zu finden. Starke Gerüche (Stichwort: Aromatherapie) sind
ungünstig. Warum?
Weil diese schon alleine eine Wirkung auf den Patienten haben und so
kein echtes Feedback bezüglich der Shiatsumassage vom Patienten zum
Behandler stattfinden kann.
Es ist nicht genau zu bestimmen, ob die Wirkung nun von den Gerüchen
oder von der eben erfolgten Behandlung kommt. Nach dem Gebrauch von
Räucherstäbchen oder Raumölen sollte deshalb vor einer Shiatsubehandlung
gut gelüftet werden.
2. Die Kleidung
Sie entscheidet ebenfalls mit über den Erfolg einer
Behandlung.
Kurz gesagt, in engen Jeans und in engen Röcken wurde selten gutes
Shiatsu gemacht. Der Behandler muß sich, wie gesagt, frei bewegen können
und dazu gehört eben auch lockere leichte Kleidung.
Kettchen die bei der Behandlung klappern oder dem Behandelten ins
Gesicht fallen (man kommt sich nahe beim Shiatsu!) stören dessen
Möglichkeit sich zu entspannen, sie lenken seine Wahrnehmung ab.
Nebenbei bemerkt ist Sauberkeit (als ein Merkmal des Zen, dem Shiatsu
sehr verwandt ist) unabdingbar.
Der/die Behandelte sollte ebenfalls locker bekleidet sein. Auch er/sie
sollte nicht von engen Gürteln etc. eingeschränkt sein.
Am bestem macht sich Baumwollkleidung, z.B. in Form von T-Shirts, Sweat-Shirts
oder Freizeithosen (aber keine engen!)
Es kann von Vorteil sein, immer ein paar frische, warme, dicke Socken
für die Patienten zur Verfügung zu haben...
3. Die Begrüßung
Kommen wir nun zur eigentlichen
Begegnung.
Am Beginn einer Shiatsubehandlung sollte immer ein kurzes Vorgespräch
stattfinden.
Es ist wichtig zu wissen (vor allem bei der ersten Behandlung) in
welchem Zustand der Patient kommt. Welche Gefühle bringt er gerade mit,
wie ist er in seinen augenblicklichen Gemütszutand gekommen, was hat er
gerade erlebt, wie lebt er zur Zeit? Dieses zu hinterfragen kann dem/der
BehandlerIn wichtige Informationen bringen wodurch sie ein erstes Bild
erhalten und aus welchen ableitbar ist welche Meridiane zur Behandlung
in Frage kommen. Hieraus läßt sich erkennen, ob der Patient eher in
einem Zustand des Yin (Leere, zuwenig etc.) oder eher im Yang (Fülle, zu
viel Energie etc.) sich befindet. Es ist somit erkennbar welches
(welche) der fünf Elemente über- oder unterversorgt ist (sind).
Es hat sich bewährt solch ein Gespräch zu notieren (ähnlich einer
homöopathischen Anamnese oder einer Akupunkturanamnese) und auch zu den
folgenden Sitzungen, falls auffällige Dinge (Erlebnisse, Gefühle, etc.)
berichtet werden, in einer Art Patiententagebuch zu notieren. So läßt
sich der Behandlungserfolg besser erkennen und beobachten.
Da viele Menschen keine rechte Vostellung davon haben, was und wie
Shiatsu ist bzw. sein kann, kann es ratsam sein hier eine kurze
Vorbereitung abzugeben auf das was gleich geschehen kann oder wird.
4. Die Verfassung des/der Gebenden
Der/die Shiatsugebende sollte
sich eine einem "klaren" Geistes- und Gemütszustand befinden. Das bedarf
wohl näherer Erleuterung!
Unter Klarheit verstehe ich hier eine Form der inneren Ruhe und
Gleichmäßigkeit. Diese ist notwendig um sich auf den Patienten
einzulassen, sich auf ihn zu konzentrieren und Vertrauen zu ihm/ihr zu
gewinnen. Stellen Sie sich vor, sicherlich ein extremes Beispiel..., sie
hätten gerade Ihre Wohnung gekündigt bekommen, ihr(e) Lebenspartner/in
will Sie verlassen und Sie erfahren, daß eines Ihrer Kinder
drogenabhängig ist und seinen Arbeitsplatz etc. verloren hat. In dieser
Situation wird es schwer fallen ganz für den Patienten da zu sein. Es
sei denn Sie seien ein Meister der Meditation. Man könnte einwenden, daß
gute Selbstbeherrschung da weiterhelfen könnte. Nun ja,
Selbstbeherrschung ist Kontrolle und sobald ich mich kontrollieren
müssen habe ich nicht die für Shiatsu notwendige Gelassenheit. Sicher
ist es so, daß immer mal während einer Behandlung andere Gedanken
auftauchen. Nehmen wir sie wahr und lassen wir sie wieder los! Dann
können wir sofort weitermachen, bzw. "Es" macht weiter. Seien wir
ehrlich, das geht nur wenn unsere augenblickliche Situation nicht durch
schwerwiegende Ereignisse getrübt ist.
Auch in körperlicher Hinsicht sollten Sie gesund sein.
Eine ermattende Grippe oder Erkältung (mal abgesehen von der
Ansteckungsmöglichkeit) ist kein Shiatsuzustand. Auch Schmerzzustände
jedweder Genese sind störend da sie das Bewußtsein ablenken -
schließlich wollen Ihre Schmerzen Ihnen ja etwas mitteilen. Und das tun
sie auch während einer Shiatsubehandlung. Wohlgemerkt, es ist kaum
möglich immer einen, in seiner Intensität gleichbleibenden
Konzentrationszustand zu halten während einer Sitzung, aber wenn sich
einige Störfaktoren vermeiden lassen, warum nicht?
5. Der/die Empfangende
Der Patient kommt sicherlich
weil er Beschwerden und Symptome hat, aber nicht die sind es die wir
behandeln sondern den Menschen der da zu uns gekommen ist. Was bedeutet
das für den Behandler? Einen Patienten der gerade eine Grippe hat und
38,6 Grad Fieber mitbringt gilt es sehr vorsichtig zu behandeln (um sein
inneres Feuer nicht noch mehr lodern zu lassen) oder gar nicht zu
behandeln (weil Fieber bis zu einem gewissen Grad und einer gewissen
Dauer eine gesunde Immunreaktion des Körpers ist die man nicht stören
sollte!). Dies gilt es sorgfältig abzuwägen. Auch ist es wichtig, nach
Erkrankungen im Bereich des Stützapparates zu fragen. Schließlich geben
wir als Behandler mitunter viel Gewicht ab und üben Druck auf das
Skelett des Patienten aus.
Ist der Patient besonders aufgeregt, emotional aufgewühlt, aufgrund
eines Ereignisse in seinem Leben? Dann gilt es auch hier vorsichtig zu
sein. Aus meiner eigenen bescheidenen Erfahrung weiß ich, daß das bloße
Auflegen der Hand auf den Unterbauchbereich bei einer Patientin die eine
Woche vorher einen unfreiwilligen Abortus hatte, heftigste Reaktionen
auslösen kann. Warum? Schon alleine deswegen, weil dieses Auflegen der
Hand an dieser Stelle das Bewußtsein der Pateintin dort hin lenkt und
dort festhällt. Dies führt automatisch zu einer inneren
Auseinandersetzung mit dem entsprechenden Problem. Eben gesagtes gilt
auch für andere Problemzonen.
Nicht vergessen werden sollte auch, daß Shiatsu eine energetische Arbeit
darstellt, bei der Energien beeinflußt werden. Dies spielt besonders bei
der Behandlung von Krebspatienten eine Rolle. Wir sollten uns schon
einigermaßen im Klaren darüber sein was wir wohin lenken und leiten.
Es ist (s.o.) also sehr wichtig den Patienten genau über seinen Zustand
zu befragen.
6. Der Austausch
Die eigentliche Behandlung hat
in der Regel meist eine Dauer von ca. 35-50 Minuten. Dies ist eine Zeit
sehr intensiver Begegnung und Berührung. Mit intensiv ist nicht
unbedingt intim gemeint.(Kleiner Tip: lassen Sie Finger von Therapeuten
die Shiatsu an nackten oder beinahe nackten Patienten machen. Dies ist
bisher von keinem der Shiatsumeister praktiziert und propagiert worden.
In einem solchen Fall ist meist etwas anderes im Spiel als Shiatsu.)
Der Patient, dem diese Behandlungsform oftmals sowieso neu ist, ist
unsicher, noch verkrampft und es braucht einige Zeit bis er entspannen
und vertrauen kann. Kleidung bedeutet Schutz, für beide Partner der
Behandlung und das Wahrnehmen der Energien ist eine Sache der übung und
damit entstehenden Erfahrung. Diese Erfahrung wird durch Kleidung
normalerweise nicht gehindert noch gefördert.
Je ruhiger und gleichmäßiger die Bewegungen des Therapeuten sind, desto
eher wird dies geschehen können.
Es ist hilfreich so oft wie möglich die Reaktion des Behandelten, durch
einen Blich auf dessen Gesicht etwa, nachzufragen. Bewegen sich die
Augäpfel unter den geschlossenen Augenlidern? Sind die Augen offen oder
geschlossen. Bei welcher Art von Berührung, an welcher Körperstelle,
schließen sie sich? Hält der Behandelte bei den Bewegungen von Armen und
Beinen fest, versucht er/sie die Bewegungen aktiv mitzumachen oder zu
kontrollieren? Stöhnt er/sie? Wie verändert sich die Atmung? Legt sich
die Stirn in Falten?
Dies sind nur einige beachtenswerte Dinge während dieser Austausch- und
Begegnungszeit. Aber versuchen wir nicht vordergründig diese Reaktionen
zu steuern, sondern nehmen wir sie nur wahr! Wenn ein Shiatsupartner
immer wieder ein leises oder auch lauteres "Aua" von sich gibt, kann es
gut sein, daß die Behandlung zu intensiv, der Druck auf die Meridiane,
auf die Tsubos, zu stark ist. Wir werden dann dem Empfinden des
Patienten nicht gerecht und überfordern ihn. Allerdings kann eine
Reaktion in Form eines Stöhnens oder Seufzens ein Hinweis darauf sein,
daß eine Blockade sich gerade löst oder gelöst hat. Dieses wahrzunehmen
und darauf zu reagieren ohne selbst zu verkrampfen, das ist eben die
sog. Kunst im Shiatsu die erreicht werden kann durch...
...6.1. die (innere) Haltung...
...des "nicht wollens" ,sondern
des "Gebens und Geschehen-lassens"
Dieser Terminus mag für einen Laien schwer zu verstehen sein. Deshalb
möchte ich versuchen dies zu verdeutlichen. Angenommen ein Patient kommt
mit Schmerzen im rechten Arm in die Behandlung, so könnte eien innere
Stimme des Therapeuten sagen: "Das mache ich jetzt weg" oder,"Ich werde
den Patienten jetzt von seinen Schmerzen befreien". Diese innere
Einstellung führt in der Regel zu Verkrampfung und überanstrengung
während der Behandlung. Der Behandler ist auf das (lokale) Problem
fixiert und verliert die Fähigkeit den Patienten als Ganzes
wahrzunehmen. Dies wäre also die gegenteilige Haltung, die des
"Wollens". Hierbei läft der Behandler unbewußt Gefahr zuviel Energie in
bestimmte, für die Behandlung relevante, Shiatsupunkte zu geben.
Der Behandler tut gut daran sich gewahr zu bleiben, daß (obwohl er/sie
aktiv etwas tut) nicht er/sie durch Willenskraft etwas beim Behandelten
erreicht oder verändert, sondern "ES" macht und es geschieht. Wir als
Behandler können, ob wir das wahrhaben wollen oder nicht, nur
Bereitschaft erzeugen. Wege öffnen und anbieten. Das entbindet uns
allerdings nicht von unserer Verantwortung dem Patienten gegenüber.
Diese Verantwortung wäre z.B. dadurch verletzt, würden wir bei einem
Patienten mit chronischer Magenschleimhautentzündung noch zusätzlich mit
großem Druck auf dessen Oberbauchbereich arbeiten...
Eine Behandlung mit dem Wunsch oder Willen: "das mach ich jetzt weg" ist
zum Scheitern verurteilt.
Der Patient entscheidet wie unsere Arbeit wirkt und ob ihm die
Behandlung gut tut. Er bekundet uns das in der Regel durch sein
Wiederkommen! Mehr ist es meist nicht.
7. Die (möglichen) Wirkungen
Eine Shiatsubehandlung bringt
(begleitet) den Behandelten fast immer in einen entspannten, manchmal
sogar tiefenentspannten, Zustand. Abgesehen mal davon wenn bewußt
belebende, dynamische Techniken angewendet werden. In diesem Zustand
haben die meisten Patienten Bilder vor ihrem inneren Auge, Gefühle
werden ausgelößt, Emotionen aus naher oder ferner Vergangenheit kommen
wieder hoch. Es können traumähnliche Bildsequenzen ablaufen. Das Gefühl
für Raum und Zeit kann vorrübergehend verändert sein.
Manchmal taucht während der Behandlung im Bewußtsein des Behandelten ein
Satz oder Wort auf der/das wie ein Schlüssel für ein aktuelles, oder
latentes, möglicherweise verdrängtes, Problem wirkt.
Auf körperlicher Ebene können Schmerzen auftreten. Schmerzen die ein
Hinweis auf verspannte Zonen oder gestaute Meridianenergie sein können.
Schmerzen die ein Hinweis darauf sind, daß in diesem Bereich bald
Besserung eintritt. (Wir kennen ähnliche Phänomene aus dem Bereich der
klassischen Massagetechniken. Da schmerzt es oft sehr, bevor eine
Besserung/Entspannung eintritt). Auch die Dehnungen und Rotationen
können von Schmerzen begleitet sein. (gemeint ist hier das sanfte Ziehen
an Armen oder Beinen um die Gelenke zu dehnen bzw. zu strecken und/oder
die Gliedmaßen zu drehen um Bewegungsfähigkeit in die Gelenke zu
bringen)
Aber, diese Schmerzen sind immer eine Botschaft!
Es kann passieren, daß z.B. eine herannahende Erkältung plötzlich
ausbricht. Es kann sowohl ein Kältegefühl als auch ein Gefühl von Wärme
beim Behandelten entstehen. Bei sedierenden Techniken z.B. zieht sich
das Chi oft ins Innere zurück und der Behandelte hat ein entsprechendes
Kälteempfinden.
Bei Frauen kann eine bevorstehende Menstruation ausgelöst werden.
Eine Shiatsubehandlung kann müde machen, besser gesagt die Müdigkeit
herauskommen lassen, kann aber auch (manchmal über Tage hinweg) zu einem
erhöhten Energieniveau führen.
Es kann auch, sowohl beim Behandler als auch beim Partner ein
erotisches, sexuelles Gefühl oder Verlangen entstehen bzw. auftauchen.
Wenn dies beim Behandler/bei der Behandlerin geschieht gilt es (auch
sich selbst gegenüber!) ehrlich zu sein und die Behandlung abzubrechen.
Eine Behandlung mit erotischen Gefühlen im Hintergrund ist nicht mehr
frei und offen. Der Behandler hat einerseits nicht mehr die
erforderliche Leere und andererseits nicht die adäquate Konzentration
für den Behandelten.
über einen längeren Zeitraum hinweg gesehen steigert Shiatsu das
Körperempfinden der Empfangenden (und der Gebenden!) und führt zu einem
erhöhten Grad an Ausgeglichenheit. Wobei Ausgeglichenheit nicht
(völlige) Gleichmäßigkeit der Reaktionen und Empfindungen bedeutet
sondern in dem Sinne verstanden werden will, daß es dem Behandelten
immer leichter fällt seine, für ihn spezifischen, Gemütszustände
auszugleichen; sprich: sie sich abwechseln zu lassen.
Auf körperlicher Ebene kann dies bedeuten, daß z.B. ein chronisch
Kranker Mensch, der sich in einem ständigen Bergab befindet, erst mal
wieder empfänglich wird für das Wechselspiel akuter (z.T. auch heftiger)
Erkrankungen mit dem anschließenden Gefühl von Wohlbefinden. Solche
Reaktionsweisen sind ein gutes Zeichen für den Erfolg der Behandlung. So
betrachtet führt Shiatsu zu einer Bewußtseinserweiterung.
8. Die Verabschiedung
Auch sie ist ein wesentlicher
Teil der Shiatsubehandlung. Es ist immer wieder zu beobachten, und das
sehe ich auch hin und wieder bei mir selbst, daß die Behandlungen zum
Ende hin immer unaufmerksamer und fahriger werden. die letzten zu
drückenden Punkte werden nur noch überflogen. Dies liegt manchmal daran,
daß das Ende der Behandlung nicht bewußt gestaltet wird. Oder daran, daß
der Behandlungslauf zu lange hinausgedehnt wurde und das Ende jetzt umso
schneller angestrebt wird. Die Möglichkeiten diese Fehler zu umgehen
mögen reichhaltig sein, jede(r) mag hier seine eigene Strategie
entwickeln. Ich kann hier lediglich aus meiner Erfahrung heraus
berichten. Es hat sich für mich bewährt, für das Ende einer Behandlung
einen Ritus einzuhalten. Ich verabschiede mich vom Behandelten indem ich
noch einmal eine Hand auf/an ihm oder ihr zur Ruhe kommen lasse. Oft
lege ich dabei die Hand nochmal für 3-5 Minuten auf dessen Hara. Es kann
aber auch ein Halten der Füsse oder des Kopfes sein. Oder ein sanftes
Auflegen der Hände auf die Augen. Die Hände werden sodann langsam vom
Körper des Shiatsupartners genommen. Manche Therapeuten setzen sich
danach in einem Abstand von ca. 60cm - 1 Meter vom Behandelten entfernt
hin und warten bis er aus seinem Zustand zurück kommt. Es gibt auch
Therapeuten die nach der Behandlung leise den Raum verlassen um nach
einiger Zeit wiederzukommen und zu sehen, ob der/die Behandelte wieder
"da" ist. Ich selbst bevorzuge diese Möglichkeit. Es ist allerdings
ratsam dieses vor Beginn der Behandlung schon zu erwähnen bzw.
mitzuteilen. Für manche Patienten ist das mitunter sehr befremdlich,
wenn sie wieder die Augen öffnen und feststellen, daß sie alleine im
Raum sind. Manch einer denkt womöglich: "Der Therapeut hat es nicht mit
mir ausgehalten hier, er ist geflohen".
Wenn ich draußen bin wasche ich mir die Hände, eine ebenfalls rituelle
Handlung.
Es ist wichtig, dem Patienten, wenn er nicht gerade eingeschlafen ist
(was ja auch vorkommen kann), die Zeit zu geben von sich aus wieder in
den vollen Wachzustand zu kommen. Dies unterscheidet ja gerade die
Shiatsumassage von vielen anderen herkömmlichen Massagearten, daß eben
mehr Zeit gegeben und genommen werden kann.
Würde man den Patienten sofort zum Aufstehen bewegen, wäre der
Entspannungseffekt und die Tiefenwirkung des Shiatsu wieder zerstört.
Diese Zeit ist von Patient zu Patient und von Behandlung zu Behandlung
verschieden lang; in der Regel so etwa 3 - 7 Minuten.
Jetzt sollte der Patient die Möglichkeit haben sich auch verbal zu
äußern und zu öffnen wenn er es will. Vielleicht will er/sie über
bestimmte Bilder reden die erschienen sind, sagen wo es schmerzhaft war,
wo es angenehm war, Gedanken mitteilen die während der Behandlung kamen.
Es ist nicht nötig und auch gar nicht sinnvoll, die Behandlung nun zu
"zerreden" aber meist ist das was in diesen Momenten berichtet wird sehr
aufschlußreich und rundet die ganze Behandlung ab. Es bestätigt die
soeben vollführte Behandlung (oder auch nicht!) und/oder gibt
Anhaltspunkte für die nächsten Termine.
Es geht allerdings nicht darum nun eine Wirkung der Behandlung
"herbeizureden", nein, die Behandlung sollte nun, so weit als möglich,
für sich sprechen und wirken. Einige, wenige erklärende Worte des
Therapeuten sind ausreichend und man kann sich nun wirklich
verabschieden.
9. Die Weiterbehandlung...
Wie geht es nun weiter? Wie oft
soll der Patient kommen?
Die Vereinbarung von wöchentlichen Terminen hat als empfehlenswert
herausgestellt. Am Anfang einer Behandlungsreihe können aber auch, je
nach Zustand des Patienten zwei Termine pro Woche vereinbart werden. Zum
Ende einer Behandlungsreihe (zum Ende der Behandlungsbedürftigkeit hin)
ist es durchaus angebracht auch einen 14-tägigen Rythmus anzusetzen.
Behandlungszwischenräme darüberhinaus sind erfahrungsgemäß ineffizient.
Der weitere Behandlungserfolg hängt, wie bei anderen Therapien auch,
davon ab was der Patient daraus macht, besser gesagt was er/sie für sich
macht. Wie er/sie sich pflegt. Auch dies möchte ich etwas verdeutlichen.
Angenommen ein Patient erkennt während der Behandlung wie sehr er des
öfteren im Alltag eine schlechte Körperhaltung einnimmt oder wie oft er
sich falsch und zu hastig ernährt, dann ist er aufgerufen dies in
Zukunft zu ändern. Hier kann der Therapeut Anregungen geben und
aufmunternd wirken, ausführen muß der Patient selbst. Dies bestimmt den
Behandlungserfolg wesentlich mit.
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